Claude, ChatGPT & Copilot im Vergleich: Welcher KI-Assistent für welche Aufgabe?

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Person im modernen Schweizer Büro arbeitet mit KI-Assistenten am Laptop

Kaum eine Frage hören wir in Gesprächen mit Schweizer KMU so oft wie diese: «Welchen KI-Assistenten sollen wir nehmen – Claude, ChatGPT oder Copilot?» Die ehrliche Antwort lautet meistens: nicht «entweder – oder», sondern «je nachdem». Die drei grossen Assistenten überschneiden sich in vielem, haben aber klare Stärken. Wer weiss, wann welches Werkzeug glänzt, holt deutlich mehr heraus als jemand, der sich auf ein einziges festlegt.

In diesem Beitrag ordnen wir die drei Assistenten herstellerneutral ein – ohne Marketing-Versprechen, dafür mit Blick auf den Alltag im Schweizer KMU.

Erst die Aufgabe, dann das Werkzeug

Bevor wir vergleichen, ein wichtiger Grundsatz: Der «beste» KI-Assistent existiert nicht. Es gibt nur den passenden für eine bestimmte Aufgabe und ein bestimmtes Umfeld. Ein Unternehmen, das ohnehin vollständig in Microsoft 365 arbeitet, hat andere Prioritäten als ein Team, das lange Verträge analysieren oder eigene Software entwickeln möchte.

Alle drei Assistenten basieren auf grossen Sprachmodellen (LLMs) und können Texte schreiben, zusammenfassen, übersetzen und Fragen beantworten. Die Unterschiede liegen im Detail – in der Integration, im Umgang mit langen Dokumenten und im Verhalten bei anspruchsvollen Aufgaben.

Die drei Assistenten im Kurzporträt

ChatGPT (OpenAI) ist der bekannteste Assistent und ein echter Allrounder. Er ist schnell, vielseitig und hat ein grosses Ökosystem an Zusatzfunktionen – von Bildgenerierung über Datenanalyse bis zu selbst gebauten «GPTs» für wiederkehrende Aufgaben. Für den breiten Einstieg und alltägliche Textarbeit ist ChatGPT eine solide Standardwahl.

Claude (Anthropic) hat sich einen Ruf für besonders sorgfältige, nuancierte Sprache und den Umgang mit sehr langen Texten erarbeitet. Wer ganze Verträge, Berichte oder Dokumentationen analysieren lässt, schätzt das grosse Kontextfenster und die strukturierte, nachvollziehbare Arbeitsweise. Auch beim Programmieren gilt Claude als stark – dazu weiter unten mehr.

Microsoft 365 Copilot ist kein separates Chat-Fenster, sondern in Word, Excel, Outlook, Teams und PowerPoint eingebaut. Sein grösster Vorteil ist genau diese Nähe: Copilot kennt Ihre E-Mails, Dokumente und Termine (im Rahmen Ihrer Berechtigungen) und arbeitet direkt dort, wo Ihre Daten ohnehin liegen. Für Unternehmen, die tief in der Microsoft-Welt stecken, ist das ein starkes Argument.

Vergleich nach Aufgabe

Statt einer pauschalen Rangliste hilft der Blick darauf, welcher Assistent sich für welche typische KMU-Aufgabe bewährt:

Aufgabe Bewährte Wahl Warum
Texte schreiben, umformulieren, im Ton treffen Claude, ChatGPT Hohe Sprachqualität, gutes Gespür für Nuancen
Arbeit direkt in Word, Excel, Outlook, Teams Microsoft 365 Copilot In die bestehende Office-Umgebung integriert
Lange Dokumente und Verträge analysieren Claude Grosses Kontextfenster, strukturierte Auswertung
Recherche und schnelle Antworten im Alltag ChatGPT Vielseitig, grosses Funktions-Ökosystem
Meetings zusammenfassen, Aufgaben aus Teams-Calls Microsoft 365 Copilot Direkter Zugriff auf Kalender und Chat-Verlauf
Software und Automatisierungen entwickeln Claude, ChatGPT Starke Coding-Fähigkeiten und KI-Coding-Agenten

Die Tabelle ist bewusst keine Wertung «gut gegen schlecht». Sie zeigt Tendenzen – im Zweifel lohnt sich der eigene Test mit einer echten Aufgabe aus Ihrem Betrieb.

Der oft übersehene Punkt: Sie müssen sich nicht entscheiden

Der grösste Denkfehler ist die Annahme, man müsse sich für einen Anbieter festlegen. In der Praxis kombinieren produktive Teams mehrere Werkzeuge. Ein Mitarbeiter kann morgens mit Copilot ein Meeting-Protokoll direkt in Teams erstellen, mittags mit Claude einen langen Rahmenvertrag prüfen und nachmittags mit ChatGPT eine Produktbeschreibung entwerfen.

Der Wert entsteht nicht aus dem einen «richtigen» Assistenten, sondern aus dem souveränen Umgang mit mehreren. Genau das haben wir auch in unserem Beitrag KI im KMU-Alltag 2026 beschrieben: erst die wiederkehrende Aufgabe verstehen, dann das passende Werkzeug wählen.

Sonderfall Softwareentwicklung: KI-Coding-Agenten

Ein Bereich, in dem sich die Assistenten besonders schnell weiterentwickeln, ist das Programmieren. Aus einfachen Code-Vorschlägen sind sogenannte KI-Coding-Agenten geworden – etwa Claude Code oder ChatGPT Codex –, die nicht nur einzelne Zeilen schreiben, sondern ganze Funktionen umsetzen, Fehler suchen und Abläufe automatisieren.

Für KMU ist das relevant, auch wenn Sie selbst nicht programmieren: Massgeschneiderte Lösungen entstehen dadurch schneller und günstiger als noch vor zwei Jahren. Eine individuelle Anwendung – etwa auf Basis der Microsoft Power Platform – ist heute für deutlich mehr Betriebe erschwinglich. Wir selbst nutzen diese Werkzeuge täglich, um Projekte in kürzerer Zeit umzusetzen.

Datenschutz: der entscheidende Filter für die Schweiz

Bei aller Begeisterung darf ein Punkt nie fehlen: Was passiert mit Ihren Daten? Seit September 2023 gilt in der Schweiz das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG). Für die Wahl des Assistenten bedeutet das:

  • Gratis-Versionen sind für Geschäftsdaten heikel. In den kostenlosen Angeboten ist oft nicht klar geregelt, wie Eingaben weiterverwendet werden. Sensible oder personenbezogene Daten gehören dort nicht hinein.
  • Business- und Enterprise-Tarife sind der richtige Rahmen. Bei den kostenpflichtigen Geschäftsversionen von ChatGPT, Claude und Microsoft Copilot werden Ihre Eingaben in der Regel nicht zum Training der Modelle verwendet – ein wesentlicher Unterschied.
  • Microsoft 365 Copilot punktet bei bestehender Governance. Wer bereits Microsoft-365-Verträge und -Berechtigungen sauber geregelt hat, bewegt sich mit Copilot im gewohnten Datenschutz- und Compliance-Rahmen.

Diese Überlegungen sind kein Grund zu warten, sondern ein Grund, den Einstieg bewusst zu gestalten. Ein kurzer interner Leitfaden, welche Daten in welches Werkzeug dürfen, schafft Sicherheit und beschleunigt die Einführung.

So finden Sie Ihre Kombination

Ein pragmatischer Weg für Ihr KMU:

  1. Bestandsaufnahme: Womit arbeiten Sie ohnehin? Ein Microsoft-365-Haus startet naheliegend mit Copilot.
  2. Ergänzen nach Bedarf: Fällt viel Textarbeit oder Dokumentenanalyse an, lohnt sich Claude oder ChatGPT zusätzlich.
  3. Klein testen: Geben Sie zwei, drei Personen für einige Wochen Zugang und messen Sie den Nutzen an echten Aufgaben.
  4. Regeln festhalten: Klären Sie Datenschutz und Zuständigkeiten, bevor Sie breiter ausrollen.

So vermeiden Sie Fehlinvestitionen und bauen internes Wissen auf, statt sich von einem einzelnen Anbieter abhängig zu machen.

Fazit

Claude, ChatGPT und Copilot sind keine Konkurrenten, zwischen denen Sie ein für alle Mal wählen müssen. Copilot glänzt in der Microsoft-Welt, Claude bei langen Dokumenten und sorgfältiger Sprache, ChatGPT als vielseitiger Allrounder. Wer die Werkzeuge nach Aufgabe kombiniert und den Datenschutz mitdenkt, arbeitet in der Praxis deutlich effizienter als mit einer starren Einzelentscheidung.

Sie möchten wissen, welche Kombination aus KI-Assistenten zu Ihren Abläufen passt? In einem kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf Ihre konkreten Aufgaben und zeigen Ihnen einen realistischen, datenschutzkonformen Weg.